Freizeitaktivitäten seit den fünfziger Jahren

(Anm.: Rückschlüsse auf Österreich dürfen gemacht werden)

Die regelmäßig vom Freizeit-Forschungsinstitut der British American Tobacco durchgeführte Freizeitaktivitäten-Untersuchung macht bei einem Zeitvergleich deutlich: Die Deutschen ändern ihr Freizeitverhalten nicht kurzfristig. Zwar führen kurzfristige Trends oder warme Sommer zu vorübergehenden Veränderungen, aber wer beispielsweise gerne wandert, bleibt auch dabei und wird nicht plötzlich zum Fahrradfahrer.
Andererseits: Wohl kaum eine Entwicklung hat die Einstellungen, Verhaltensweisen und Lebensgewohnheiten der Menschen so stark geprägt wie der Wandel der arbeitsfreien Zeit. Neue Lebensstile entwickeln sich und verändern sich mit erkennbarer Dynamik. Das hat Auswirkungen auf den Menschen und die Gesellschaft.
Ende der 50er Jahre ging die Geburtenrate in der Bundesrepublik einem Höhepunkt entgegen. Der sogenannte "Baby-Boom" führte dazu, dass "Mit Kindern spielen" eine der wichtigsten Freizeitbeschäftigungen in der Familie wurde. Die Familie war das eigentliche Freizeitzentrum. Zu den familienbezogenen Freizeitaktivitäten gehörten auch regelmäßige Verwandtenbesuche. Die 6-Tage-Woche ließ zudem den Wunsch aufkommen, sich in der verbleibenden Freizeit am Feierabend oder Sonntag erst einmal "gründlich" auszuschlafen. Was dann noch an frei verfügbarer Zeit verblieb, wurde in die ebenso beschauliche wie z.T. kommunikative Freizeitbeschäftigung "Aus dem Fenster sehen" investiert - eine Beschäftigung, die seither fast ausgestorben ist.
Anfang der 60er Jahre wurde das "Aus-dem-Fenster-Sehen" durch das "Fernsehen" verdrängt. Und aus dem Spiel mit den Kindern wurde die Beschäftigung mit der Familie. Der Geburtenrückgang kündigte sich an. Mit der Einführung der 5-Tage-Woche wurden auch die Erholungsbedürfnisse verändert. Man ruhte sich jetzt aus und schlief etwas mehr, ohne sich unbedingt gründlich ausschlafen zu müssen. Zugleich waren die Menschen seinerzeit in ihrem Freizeitverhalten mehr als heute von sozialen Normen abhängig. Man "musste" einfach ins Theater gehen, kulturelle Veranstaltungen besuchen, am kirchlichen Gemeindeleben teilnehmen oder seine Allgemeinbildung verbessern. Diese kulturellen und sozialen Aktivitäten tauchen in den Ranglisten der nächsten Jahre nicht wieder auf. Mitte der 70er Jahre kündigte sich eine wesentliche Zäsur in der Entwicklung des Freizeitverhaltens an: Der Medienkonsum mit Zeitschriften und Zeitungen lesen, Radio hören und Fernsehen wurde zum Leitmedium des Freizeitverhaltens. Alle anderen Aktivitäten waren nachgeordnet. Erstmals stellte sich auch der Anspruch auf Nichtstun und Faulenzen ein: "Sich ausruhen, ohne etwas zu tun" stand an vierter Stelle der Freizeitbeschäftigungen - noch vor Hausputz oder Bücher lesen.
Mitte der 80er Jahre kam neben dem Medienkonsum das Telefonieren als dominante Freizeitbeschäftigung hinzu. Das Telefon bekam eine wichtige Rolle bei der Suche nach Freizeitkontakten. Das Telefon war Kontaktbrücke nach außen und zugleich ein Instrument der Langeweileverhinderung. Auf dem Höhepunkt des neuen Tennisfiebers tauchte erstmals der Sport in der Top-Ten-Liste der Freizeitaktivitäten auf.
Was in den 50er bis 80er Jahren noch Schallplatte und MC waren, war in den 90er Jahren die CD. Die elektronischen Freizeitmedien wurden immer bedeutsamer. Vor dem Hintergrund von Konsumstress und Medienflut blieb das Bücherlesen jedoch eine beliebte Freizeitbeschäftigung das Medium der Muße. Und je hektischer das Alltagsleben wurde, desto mehr wuchs die Sehnsucht nach Ruhe, nach Faulenzen und Nichtstun oder einfach nach Ausschlafen.
Zu Beginn des dritten Jahrtausends müssen die Freizeitkonsumenten mit zwei Gegensätzen leben: Auf der einen Seite die ständig zunehmende Anzahl von Angeboten und auf der anderen Seite die Verknappung von Zeit und Geld. Dies führt dazu, dass die Verbraucher ihre kostbare Freizeit differenzierter einteilen. Sie können nicht mehr alles erleben und bei jedem neuen Trend von Anfang an dabei sein. Jetzt müssen sie genau überlegen, wofür sie ihre Zeit und Euros einsetzen.

Quelle: B.A.T Freizeit-Forschungsinstitut

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