Was uns teuer ist

Welche Funktionen Möbel derzeit für Konsumenten haben: Trösten, Gemeinschaft schaffen, Identität geben, Geschmack signalisieren, Ideale sichtbar machen etc.

von Helene Karmasin

Bekanntlich sind die meisten der heutigen Märkte überfüllt und auf vielen Märkten lassen die Konsummotivationen der Verbraucher nach: Sie haben nicht mehr das Gefühl, dass sie etwas unbedingt haben müssen.

In dieser Sachlage ist es wichtig, sich darauf zu besinnen, warum wir die Güter, die wir auf unseren Märkten handeln, eigentlich brauchen.

Auf der einen Seite sicher auf Grund ihrer funktionalen Nutzen - dafür allein aber sind Menschen nicht mehr bereit, besondere Preise zu zahlen, auf der anderen Seite aber ist klar, dass wir Produkte auch brauchen, weil sie für uns eine besondere Bedeutung haben, weil sie uns Identität geben, weil sie Gemeinschaften schaffen, Positionen und Mentalitäten ausdrücken, Ideale sichtbar machen, uns trösten, verwöhnen und stolz machen.

Es ist also in jedem Produktbereich die Frage zu stellen: Was wird eigentlich verkauft? What business are you in?

Dies gilt in besonders hohem Ausmaß von Wohnungen und ihrer Einrichtung. Wohnungen sind im Kern ein Bereich, der für Menschen eine hohe emotionale Bedeutung hat und Möbel tragen dazu bei, diese Bedeutung sichtbar zu machen - sie müssen allerdings so präsentiert und kommuniziert werden, dass diese Bedeutung sichtbar wird - nur sie ist es, die zu Konsum verlockt, selten die funktionale Notwendigkeit allein.

Wohnungen sind der Raum, den Menschen als ihre eigene Welt betrachten, als die Welt, die sie völlig autonom gestalten können, es ist der Raum, der sie beschützt, wiederherstellt, aber auch der Raum, in dem sie den von außen Hereinkommenden zeigen können, wer sie sind und wer sie nicht sind.

Möbel tragen in hohem Ausmaß dazu bei, dass diese Gefühle entstehen können: Sie machen stolz, sie verwöhnen, sie schaffen Gemeinschaften, sie erlauben ein reibungsloses Management von Haushalten, sie sind wichtige Indikatoren für den Geschmack der Bewohner.

Naturgemäß gibt es in unserer hoch differenzierten Gesellschaft viele sehr unterschiedliche Gruppen, die unterschiedliche Bedürfnisse beim Wohnen haben, die ihrer Wohnung ein verschiedenes Gewicht beimessen und die völlig andere Ansichten darüber haben, was guter Geschmack ist und was eine Wohnung schön macht.

Ebenso erzwingen unsere Forderdungen nach Flexibilität, Mobilität, Individualität einerseits und die neuen Formen, in denen Menschen heute zusammenleben und arbeiten, ganz neue Wohnformen und Möbelkonzepte.

Ein großes Gewicht bei allen Entscheidungen rund um Wohnen und Einrichten haben Frauen: Sie sind es eigentlich, die die häusliche Kultur machen und auf ihre Bedürfnisse beim Präsentieren, Kommunizieren und Einkaufen sollte ganz besonders geachtet werden.

Die Bedeutung dieser geschützten Räume, die Wohnungen, oft auch angrenzende Gärten und Grünflächen besitzen, ist jedoch umso wichtiger, je komplexer die Zeiten werden und andererseits auch, weil gerade Eliten neue Definitionen für sich suchen, die nicht selten öffentlich sichtbare Statuszeichen zu Gunsten privat genutzter Objekte mit einer hohen Funktionalität aufgeben, darunter fallen auch Möbel und Einrichtungsgegenstände für Bad und Küche.

Dr. Helene Karmasin,
Gründung und Leitung des Instituts für Motivforschung in Wien

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